Linguistiktutorien > Semantik > Prototypentheorie

Prototypentheorie

 

oben

Kategorien und Konzepte

In diesem Abschnitt wollen wir uns einem grundlegenden Untersuchungsgegenstand der Prototypentheorie widmen. Die Erforschung sowie die Modellierung der Kategorien und Konzepte kann dabei als essenziell für diese Betrachtungen bewertet werden.

Wenn wir etwas kategorisieren, dann nehmen wir immer etwas auf eine bestimmte Art und Weise wahr. Im Grunde nehmen wir ständig Kategorisierungen vor: Wir nehmen Gesichtsausdrücke oder Geräusche wahr, wir kategorisieren Gerüche und Geschmäcker, Bewegungen, Gefühle, Gedanken etc. Das bedeutet, dass wir alles, was wir in unserer Gegenwart, aber auch in unserer Vergangenheit wahrgenommen haben, in bestimmte Klassen einteilen. Wir ordnen Stühle, Tische, Betten und Sessel der Kategorie MÖBEL zu, Pfeffer oder Salz dagegen in die Kategorie GEWÜRZE. Wenn wir uns das Möbelbeispiel ansehen, dann können einzelne Möbelstücke noch weiter kategorisiert werden, wordurch so genannte Subkategorien entstehen. Es gibt z.B. Liegestühle, Drehstühle, Küchenstühle oder auch Esstische, Schreibtische, Nachttische usw. Auch im Hinblick auf Personen können wir selbstverständlich solche Kategorisierungen vornehmen. Lilli gehört zum Beispiel zur Kategorie PERSON und FRAU. Eventuell gehört sie auch zur Kategorie MUTTER, SÄNGERIN und STUDENTIN. Große Kategorien umfassen als Subkategorien wiederum speziellere, wie z.B. STUDENTIN oder SÄNGERIN. Dabei stellen alle Mitglieder der allgemeinen Kategorie auch Mitglieder der speziellen Kategorie dar. Wichtig ist jedoch, dass Subkategorien keine Mitglieder einer allgemeinen Kategorie sind.

Wir können Kategorisierungen nur dann vornehmen, wenn die Kategorien in unserem kognitiven System bereits vorhanden sind. Das heißt soviel wie, dass Kategorisierungen eine mentale Repräsentation der Kategorien erfordern. Im Grunde ist es nun wichtig herauzufinden, wie diese mentalen Repräsentationen aussehen. Eine allgemeine Annahme ist, dass Kategorien durch Konzepte für die jeweiligen Mitglieder repräsentiert werden. Folglich ist die Kategorie KATZE durch das Konzept "Katze" in unserem kognitiven System repräsentiert. Man geht davon aus, dass diese Konzepte durch unsere Wahrnehmung ausgebildet werden, also durch den Kontakt mit der Umwelt. Zunächst sind Konzepte nicht immer vollständig und entwickeln sich erst im Laufe der kognitiven Entwicklung und des Spracherwerbs. Das Konzept von Katze enthält beispielsweise Merkmale wie: vier Beine, Schwanz, miaut, kann schnell rennen, klettert auf Bäume, kratzt etc. Doch es können auch alle anderen Dinge, die wir persönlich mit einer Katze verbinden, zum Konzept von Katze gehören. Also auch alle fiktiven Katzen (z.B. Garfield) und alle Erfahrungen, die wir mit Katzen in der Vergangenheit gemacht haben.

Konzepte werden immer dann aktiviert, wenn wir ein bestimmtes Wort oder Objekt wahrnehmen. Hören wir z.B. das Wort "Katze" oder sehen wir eine solche, so verbinden wir dessen Bedeutung mit unserem Konzept von Katze. Wir müssen jedoch beachten, dass nicht jedes Konzept die Bedeutung eines Wortes ist. Demnach haben wir nicht für alle Konzepte, die wir besitzen ausreichend Wörter zur Verfügung. Wir merken dies insbesondere dann, wenn wir eine ganz bestimmte Vorstellung von etwas haben, sie jedoch nicht in Worten äußern können. Folglich sind unsere sprachlichen Mittel begrenzt und das System der Wortbedeutungen ist nur ein Teil unseres riesigen konzeptuellen Systems.

 

oben

Prototypentheorie

Im Zusammenhang mit dem Thema der Kategorisierung wollen wir uns ein traditionelles Modell ansehen. Dieses Modell beinhaltet, dass es Mitglieder einer Kategorie gibt, die "geeigneter" sind als andere. Meistens sind es solche Mitglieder, die einem als erstes in den Sinn kommen. In Bezug auf die Kategorie VOGEL, würden wir (zumindest als Einwohner Deutschlands) einen Spatz vermutlich als bestes Beispiel dieser Kategorie beurteilen. Ein Bewohner Neuseelands würde wahrscheinlich eher einen Pinguin als besten Vertreter wählen. Solche besten Beispiele werden auch als Prototypen bezeichnet.

Kategorien, so können wir annehmen, enthalten also immer Mitglieder, die subjektiv als sehr prototypisch beurteilt werden und solche, die weniger prototypisch und deshalb peripherer in der Kategorie angesiedelt sind. Kategorien besitzen demnach eine so genannte abgestufte Struktur, d.h., sie enthalten prototypische Vertreter und andere Vertreter, die eine Kategorie am wenigsten gut repräsentieren. Dieses Prinzip spiegelt sich auch in unserem alltäglichen Sprachgebrauch wider. Wenn jemand z.B. sagt:

Ich habe mir heute einen Tisch gekauft.

so denken wir im ersten Moment vermutlich eher an einen Küchentisch als einen Tapezier- oder Operationstisch, weil wir Küchentische als prototypischere Tische ansehen. Würde hingegen dieser Satz in einem Malerbetrieb geäußert, so käme wohl als erstes der Tapeziertisch in Frage, da dieser in diesem Kontext prototypischer wäre.

 

oben

Kategoriegrenzen

Es wurden zahlreiche Exprimente durchgeführt, um herauszufinden, wie die Grenzen von Kategorien beschaffen sind. In der Abbildung sehen wir das viel zitierte "Tassen"-Beispiel von William Labov. Die Teilnehmer seines Experimentes sollten angeben, ob sie die abgebildeten Gegenstände als "Tasse", "Schüssel" oder "Vase" bezeichnen würden.

Gegenstände wie Nr. 3 wurden von den meisten als Tasse bezeichnet, während Nr. 6 eher als Vase und Nr. 10 als Schüssel bezeichnet wurde. Im weiteren Verlauf des Experiments sollten sich die Probanden vorstellen, dass alle Gefäße mit Kaffee bzw. Suppe oder Blumen gefüllt wären. Dies hatte eine starken Einfluss auf die Kategorisierung der Gefäße. So wurden auch Tassen, die als untypische Beispiele ihrer Kategorie gelten (z.B. flach, kein Henkel), unter den Bedingungen, dass sich Kaffee in ihnen befand, als Tasse bezeichnet. Demzufolge können wir annehmen, dass Kategorien keine eindeutigen Grenzen haben und je nach Situation neu definiert werden.

 

oben

Familienähnlichkeit

Im Zusammenhang mit Kategorien und Prototypen taucht immer wieder der Begriff der Familienähnlichkeit auf. Wir haben bereits gesehen, dass die Merkmale, die einen Prototypen definieren, nicht notwendigerweise in gleichem Maße für alle anderen Mitglieder gelten. Wenn alle Mitglieder dieselben Merkmale hätten, dann wären sie in einem gewissen Sinne alle Prototypen einer Kategorie. Im Tassenbeispiel wurde deutlich, dass Henkel ein besonders prototypisches Merkmal einer Tasse sind. Es gibt jedoch auch Mitglieder, die keine Henkel haben und trotzdem zur Kategorie Tasse gehören. Demnach ist ein Henkel keine notwendige Eigenschaft der Kategorie TASSE. Was jedoch alle Mitglieder verbindet, ist die so genannte Familienähnlichkeit. Dieser Begriff wurde erstmals im Jahre 1958 von Ludwig Wittgenstein eingeführt. Im Allgemeinen impliziert diese Annahme, dass alle Mitglieder einer Kategorie den anderen in mindestens einem Punkt ähneln. Das heißt: Tasse 1 teilt mit den Tassen 2, 6 und 7 das Merkmal der länglichen Form und Tasse 3 teilt mit den Tassen 1, 2, 4 und 5 das Merkmal Henkel. Tasse 1 erfüllt demnach beide Bedingungen, die der länglichen Form und die des Henkels. Somit überschneiden sich die Merkmale der einzelnen Mitglieder untereinander, wodurch alle Mitglieder durch (mindestens) eine Familienähnlichkeit verbunden sind.

 

oben

Das Modell der Prototypentheorie

Aus den bisherigen Ergebnissen kann nun ein Kategorisierungsmodell hergestellt werden, dass durch die folgenden Punkte charakterisiert ist:

  • Kategorien haben eine abgestufte Struktur, weshalb nicht alle Mitglieder einer Kategorie denselben Status haben
  • Prototypen gelten als beste Beispiele einer Kategorie
  • die Zugehörigkeit zu einer Kategorie ist nicht an eine bestimmte Menge notwendiger Bedingungen geknüpft, d.h., dass nicht alle Mitglieder einer Kategorie durch die Eigenschaften des Prototyps gekennzeichnet sind
  • die Mitglieder einer Kategorie verbindet eine Familienähnlichkeit
  • die Zugehörigkeit zu einer Kategorie ist abhängig von der Ähnlichkeit zum Prototyp
  • die Zugehörigkeit zu einer Kategorie ist graduell und keine "zugehörig - nicht zugehörig" Angelegenheit
  • die Grenzen einer Kategorie sind nicht eindeutig abgegrenzt

Durch diese Punkte wird deutlich, dass Prototypen die besten Beispiele einer Kategorie sind. Demnach muss es auch Beispiele geben, die weniger gut sind, was wiederum eine Folge der abgestuften Struktur ist. Prototypen dienen als Maßstab der Kategorisierung, wobei das Entscheidende für die Zugehörigkeit von Entitäten zu einer Kategorie die hinreichende Ähnlichkeit mit dem Prototypen ist. Da die Ähnlichkeit zum Prototypen graduell ist (also nicht alle Mitglieder dem Prototypen gleich ähnlich sind), ist auch die Zugehörigkeit zu einer Kategorie eine graduelle Angelegenheit. Daraus resultiert wiederum, dass Kategorien unscharfe Grenzen haben, die ihrerseits eine abgestufte Struktur bedingen. Das bedeutet, dass Mitglieder, die peripherer in einer Kategorie angesiedelt sind, schlechtere Beispiele darstellen. Und diese schlechten Mitglieder sorgen wiederum für nicht eindeutige Grenzen, da ihre Zugehörigkeit nicht immer eindeutig ist.

 

oben

Der Prototyp

Die Definition eines Prototypen als bestes Beispiel einer Kategorie impliziert eigentlich, dass es sich somit auch um ein Mitglied der Kategorie handeln muss. Dies ist auch in vielen Fällen zutreffend. Wenn Prototypen hingegen der Maßstab für alle anderen Mitglieder sein sollen, dann können diese wiederum nicht mehr individuell sein. Wenn beispielsweise ein ganz bestimmter Vogel der Prototyp einer Kategorie ist, dann müsste jeder diesen Vogel kennen, um andere potenzielle Mitglieder mit diesem abzugleichen und zu entscheiden, ob es sich bei diesen um weitere Kategoriemitglieder handelt oder nicht. Es könnte sein, dass es sich bei einem Prototypen um den ersten Vogel handelt, dem man im Leben begegnet. Aber auch, wenn das tatsächlich so ist, so wird die Vorstellung von diesem Vogel irgendwann durch eine allgemeinere abstrakte Repräsentation ersetzt.

Wie so oft, treten auch in Bezug auf den Begriff des Prototypen einige Problem auf. So ist es sehr vage zu entscheiden, was zum Beispiel ein prototypischer Spatz ist. Wenn ein Spatz ein prototypischer Vertreter der Kategorie VOGEL ist, was ist dann der Prototyp von Spatz? Vermutlich gibt es keine Subkategorien von Spatz, aber es gibt wohl bessere und schlechtere Beispiele. Doch sind alle Spatzen prototypische Vögel oder nur bestimmte Spatzen? Wenn letzteres angenommen werden kann, dann ist der Prototyp von Spatz zugleich der Prototyp von Vogel. Dies würde wiederum bedeuten, dass die beiden Kategorien zusammenfallen. Wenn aber alle Spatzen als Prototypen für Vögel in Frage kommen, dann sind auch sehr untypische Spatzen gleichzeitig typische Vögel (also auch Spatzenmutanten). Es gestaltet sich, wie wir sehen, sehr problematisch, den bestimmten Prototypen zu bestimmen.

Resultierend aus den Überlegungen zu den Prototypen, enstand die Idee des so genannten abstrakten Prototypen. Dieser wird durch ein bestimmtes Konzept repräsentiert, dass bestimmte Eigenschaften fixiert und andere offen lässt. Somit spezifiziert das Konzept für einen prototypischen Vogel sein Erscheinungsbild, den Körperbau und auch Verhaltensweisen. Dieses Konzept grenzt sich somit sowohl von dem für individuelle Vögel als auch von dem für Subkategorien von Vögeln ab. Folglich ist ein Vogel dann prototypisch, wenn er alle Attribute enthält, die auch der abstrakte Prototyp vereint. Es gibt jedoch auch sehr allgemeine Kategorien, wie z.B. PFLANZE, bei denen der Prototyp nicht auf diese Weise festgelegt werden kann. Wir würden zwar prototypische Fälle ausmachen können, wie eventuell Baum oder Blume, doch würden diese keine repräsentativen Eigenschaften aufweisen, da Orchideen und Weinreeben im Grunde auch Pflanzen sind. Hier sind die Prototypen vielmehr dadurch definiert, dass sie eine gewisse Vertrautheit aufweisen und es ist unklar, ob sie dann als Maßstab für andere Mitglieder einer Kategorie genutzt werden können.

Die Theorie des Prototypen beinhaltet, dass die Zugehörigkeit einer Entität zu einer Kategorie durch die Ähnlichkeit zum Prototypen definiert ist. Im Grunde scheint diese Idee zunächst auch logisch, doch ist es (wie auch bei den meisten anderen Theorien) nicht ganz so einfach, wie es aussieht. So sind Ähnlichkeiten, die sich auf die äußere Erscheinung von Entitäten beziehen meist irrelevant, weil wir nicht ausschließlich auf der Basis der Optik kategorisieren. Wenn wir z.B. Erdnüsse und Haselnüsse betrachten, dann sind sich diese in ihrer optischen Erscheinung, aber auch im Geschmack sehr ähnlich. Jedenfalls sind sie ziemlich verschieden von Linsen. Das Entscheidende ist, dass Erdnüsse und Linsen zur Kategorie HÜLSENFRÜCHTE gehören, Haselnüsse jedoch nicht. Demzufolge müssen Erdnüsse dem Prototypen der Kategorie HÜLSENFRÜCHTE noch in einer anderen Weise ähneln als nur im Erscheinungsbild. Es ergibt sich also die Frage, welche Eigenschaften für die Zugehörigkeit zu einer Kategorie außerdem relevant sind? Ein Prototyp muss offenbar durch ganz bestimmte Merkmale definiert sein, um als Maßstab für die Kategorisierung zu dienen. Des Weiteren spielt die Ähnlichkeit zwischen Entitäten eine wichtige Rolle. So sind sich Erdnüsse und Linsen botanisch betrachtet näher als Ernüsse und Haselnüsse, doch einige Eigenschaften teilen auch Erdnüsse mit Haselnüssen. So sind Erdnüsse den Hülsenfrüchten ähnlicher als z.B. Sellerie. Demzufolge erhalten Erdnüsse in Bezug auf den Prototyp der Kategorie HÜLSENFRÜCHTE einen höheren Rang als Sellerie, obwohl sie selbstverständlich nicht zu dieser Kategorie gehören. Diese Überlegungen können beliebig lang fortgesetzt werden. Sie sollen lediglich verdeutlich, dass die Zugehörigkeit einer Entität zu einer Kategorie nicht allein auf Grund der äußeren Ähnlichkeit vorgenommen und die Beschaffenheit eines Prototypen nicht ohne weiteres definiert werden kann.

 

oben

Die Ordnung der Kategorien

In diesem Anschnitt wollen wir uns mit der Ordnung von Kategorien beschäftigen. Im Allgemeinen verhält es sich so, dass wir spontan immer eine Ebene zwischen sehr spezifischer und sehr allgemeiner Kategorisierung bevorzugen.

Wenn wir uns die obere Abbildung ansehen, dann würden wir wahrscheinlich sofort sagen: "Das ist eine Gitarre". Sicher ist diese Antwort in gewisser Weise voraussagbar, doch ist sie nicht unbedingt selbstverständlich. Wir hätten das Objekt, das auf der Abbildung zu erkennen ist, auch auf eine andere Weise kategorisieren können. So käme auch "Akustikgitarre", "typische Gitarre", "Musikinstrument" oder "Bild einer Gitarre" usw. in Frage. Solche Antworten sind eher selten, doch sie zeigen, dass ein und dieselbe Entität auf verschiedenen Ebenen kategorisiert werden kann. Meistens aber wählen wir ad hoc eine mittlere Ebene, also "Gitarre", die zwischen der spezifischeren Ebene "Akustikgitarre" und der allgemeineren Ebene "Musikinstrument" liegt. Diese mittlere Ebene wird auch Basisebene genannt. Die Ebene unter der Basisebene ist dann die wohl spezifischste für Nichtfachleute (z.B. Akustikgitarre), kann aber auch Begriffe enthalten, die nicht jedem geläufig sind. Selbstverständlich kann auch diese tiefer liegende Ebene weiter differenziert werden, wobei diese Unterteilung nicht unendlich fortgesetzt werden kann. Sie ist abhängig von den im Lexikon vorhandenen Begriffen.

übergeordnet Kleidungsstück Fahrzeug Tier Farbe
Basisebene Hose, Jacke, Hemd, Rock, Kleid, Hut, Strumpf, Mantel, Frack, BH Fahrrad, Auto, Bus, LKW, Boot, Kutsche, Skateboard, Dreirad Maus, Hase, Hund, Kuh, Biene, Wurm, Qualle, Bär, Frosch, Affe, Elefant schwarz, weiß, rot, gelb, grün, blau, braun. rosa, grau, lila, orange
untergeordnet Bluejeans, Faltenrock Rennrad, Paddelboot Feldmaus, Laubfrosch ockergelb, petrol

In der Tabelle (nach Löbner 2003) sind einige Beispiele für die Basisebene in verschiedenen Taxonomien aufgeführt. Man kann sagen, dass die Basisebene in unserem kognitiven System durch einige Privilegien gekennzeichnet ist. So erfolgt die Kategorisierung auf dieser Ebene meist schneller als auf der untersten bzw. höchsten Ebene. Aus diesem Grund wird auch angenommen, dass dort das meiste Wissen organisiert ist. Wir wissen z.B., dass sich ein Orchester aus unterschiedlichen Instrumenten wie Cello, Bass, Saxophon, Geige etc. zusammensetzt, würden jedoch nicht die spezifischeren Bezeichnungen der Instrumente verwenden. Man sagt auch, dass auf der Basisebene alle Mitglieder einer Kategorie eine gemeinsame Gestalt haben. Belebte Kategorien bilden wir unter anderem danach, wie wir mit ihnen zu tun haben. Das impliziert z.B. das Verhalten, die Interaktion mit den Entitäten und wozu sie gebraucht werden. So werden in westlichen Kulturen Rinder als Haustiere gehalten und auch verzehrt, während sie in Ländern mit hinduistischem Glauben, wie z.B. Indien oder Nepal, nur als Nutztiere eingesetzt werden, nicht jedoch zum Verzehr.

Basiskategorien in der Kommunikation

Die Ausdrücke für Basiskategorien spiegeln sich auch in der sprachlichen Verwendung wider. So sind diese bevorzugt einfache, kurze und nicht entlehnte Wörter. Sind Basisbegriffe hingegen lang oder zusammengesetzt, so werden sie häufig wieder verkürzt (z.B. Bus<Omnibus, Auto<Automobil, Rad<Fahrrad). Begriffe auf tieferen Ebenen sind hingegen häufig Komposita mit einem Basisbegriff als Kopf (z.B. Jogginghose, Laubfrosch, Akustikgitarre, Glasflasche, Umhängetasche). Da Basisbegriffe vorwiegend zuerst gelernt werden, bilden sie auch den größten Teil unseres Grundwortschatzes. Da sie im Allgemeinen sehr bekannt sind, eignen sie sich besonders gut für die Kommunikation.

In Bezug auf die Idee der Prototypen funktioniert die Basisebene am besten. Die Art und Weise wie wir Vertreter einer Basiskategorie konzeptualisieren, macht hauptsächlich einen Prototypen aus. Ferner sind Basiskategorien meistens gut voneinander zu unterscheiden und haben zudem einen hohen Erkennungswert.

Insgesamt wird deutlich, dass es für sehr viele Kategorien Prototypen (beste Beispiele) gibt. Im Allgemeinen exisitieren für fast alle Kategorien bessere und weniger gute Beispiele, was bedeutet, dass Kategorien eine abgestufte Struktur haben. Was nicht vergessen werden sollte ist, dass die Kategorisierungen, die wir vornehmen, immer auf einer individuellen Ebene abspielen. Es ist also durchaus möglich, dass jemand Tassen ohne Henkel prototypischer empfindet als solche mit Henkel.

 

Literatur:
S. Löbner (2003): Semantik - Eine Einführung.