Linguistiktutorien > Phonologie > Phonologische Grundbegriffe I

Phonologische Grundbegriffe I

 

oben

Phoneme mp3

Vom Vorwort zur Phonologie wissen wir, dass Phonologie die Funktion und Systematik von Sprachlauten in Einzelsprachen untersucht. Im Kapitel zur Phonetik haben wir Beispiele für verschiedene Laute und Wörter gesehen.

Einige dieser Beispiele wurden paarweise vorgestellt, wie Pass [pas] und Bass [bas] oder Düse [dy:zə] und diese [di:zə]. Solche Paare zeigen, dass bestimmte Laute im Deutschen eine bedeutungsunterscheidende Funktion haben. D.h., allein der Wechsel solcher Laute an einer einzigen Stelle kann zu zwei verschiedenen Wörtern führen, die also unterschiedliche Bedeutungen haben. Im ersten Beispiel führt ein Wechsel zwischen [p] und [b] zu Pass und Bass. Ein solches Wortpaar, dessen Wörter sich anhand eines einzigen Lautes an der gleichen Stelle unterscheiden, heißt Minimalpaar. Die phonetische Umgebung der entscheidenden Laute, etwa wortinitial wie im ersten Minimalpaar oder wortintern wie bei Düse und diese, nennt man Kontext. Man sagt außerdem, dass zwei bedeutungsunterscheidende Laute im selben Kontext miteinander kontrastieren. Im ersten Minimalpaar konstrastieren also [p] und [b].

Jetzt kommen wir zu zwei der wichtigsten Grundbegriffe der Phonologie. Ein Phonem ist das kleinste bedeutungsunterscheidende Element in der Linguistik. Dieser Begriff steht im Gegensatz zu einem Phon bzw. Sprachlaut. Wie dieser Gegensatz genau aussieht, erfahren wir demnächst.

 

oben

Allophone mp3

Der Knacklaut

Das IPA-Symbol [ʔ] steht für den so genannten Knacklaut, den stimmlosen glottalen Plosiv (en. glottal stop).

Der leise Knacklaut wird im Deutschen am Anfang jedes Wortes ausgesprochen, das von der Rechtsschreibung her scheinbar mit einem Vokal anfängt, wie ich [ʔɪç].

Nicht alle Phone kontrastieren in einer Sprache. Die Konsonanten am Ende der Wörter ich [ʔɪç] und ach [ʔax] kontrastieren z.B. nicht. Wieso? Wenn du diese Laute in beiden Wörtern tauschen würdest, würden die Ergebnisse zwar komisch klingen (vielleicht sogar falsch), aber du würdest die Bedeutungen der Wörter innerhalb der Gültigkeit des Hochdeutschen dadurch nicht so ändern wie bei Pass und Bass.

Außerdem, obwohl beide Laute in diesem Beispiel wortfinal auftauchen, wirst du wohl merken, dass die Wörter kein richtiges Minimalpaar bilden! Die Vokale, die sich vor diesen Konsonanten befinden, sind nämlich in den zwei Wörtern unterschiedlich. Wenn du es dir genauer überlegst, wirst du feststellen, dass die sogenannten ich- und ach-Laute ([ç] und [x]) kein Minimalpaar bilden können.

Dies liegt daran, dass [ç] und [x] eigentlich nie im selben Kontext zu finden sind: Sie sind komplementär distribuiert. Grob gesagt kommt der ach-Laut nur direkt nach Hinterzungenvokalen vor, wie in ach oder Buch [bu:x]. In allen anderen Kontexten findet man den ich-Laut, wie in ich, Milch [mɪlç] oder Chemie [çemi:]. (Vergiss nicht, dass [a] im Deutschen eher hinten artikuliert wird.) Der Kontext dieses Beispiels ist also komplizierter als derjenige vom ersten Abschnitt.

Du bist dran!

Folgendes gilt hier wie in allen Wissenschaften: Beim Enträtseln von Phänomenen bestimmen deine Erfahrung und Einsicht den Erfolg. Also immer kritisch mitdenken und selbst probieren!

Wenn phonetisch ähnliche Phone komplementär distribuiert sind, sind sie wahrscheinlich verwandte Allophone. Allophone sind die verschiedenen Realisierungen eines einzigen zugrundeliegenden Phonems. Andersrum könnte man ein Phonem als eine Gruppe von verwandten Allophonen sehen. Allerdings werden Phoneme normalerweise als abstrakte Einheiten betrachtet, die dann als Phone fest realisiert werden. Phoneme verfügen jeweils über mindestens ein Allophon aber können mehrere Allophone haben.

Phoneme werden im Gegensatz zu Phonen zwischen Schrägstrichen transkribiert. Im Fall von [ç] und [x] nimmt man also an, dass /ç/ das gemeinsame zugrundeliegende Phonem ist, weil es in mehr Kontexten erscheint.

Es kann auch vorkommen, dass zwei Phone komplementär distribuiert sind, die aber nicht phonetisch ähnlich sind. In diesem Fall gelten sie nicht als Allophone eines gemeinsamen Phonems. Im Deutschen tauchen z.B. [h] und [ŋ] nie im selben Kontext auf. Trotzdem werden sie zwei verschiedenen Phonemen zugeordnet, weil sie phonetisch so unähnlich sind.

Sprecherintuition

Dass eine Sprache über allophonische Variation verfügt, ahnen im Durchschnittsfall auch Muttersprachler nicht. Von der Intuition her können die meisten Sprecher nur Phoneme voneinander unterscheiden, die sich öfter in der Rechtsschreibung widergespiegeln.

Genau solche Funktionen, systematische Variationen und muttersprachliche Intuitionen, die wir hier behandelt haben, sind von großem Interesse für die Phonologie und Linguistik.

Einen weitereren Fall gibt es, wenn Phone in freier Variation stehen: Sie kommen zwar im selben Kontext vor, aber kontrastieren nicht miteinander. D.h., ihr Tausch führt nicht zu Bedeutungsunterschieden. Phone in freier Variation gelten ebenfalls als Allophone eines gemeinsamen Phonems. Nimm als Beispiel die verschiedenen R-Laute des Deutschen, nämlich [ʁ] (die üblichste Version), [ʀ] (von der Bühnensprache) und [r] (von Süddialekten). Man kann sie beliebig miteinander tauschen, ohne Wortbedeutungen dabei zu ändern. Allerdings bestimmen soziolinguistische Faktoren wie der Dialekt des Sprechers oft, welches Allophon benutzt wird. (Im Fall der R-Laute gibt es dazu noch komplementär distribuierte Allophone, die wir im nächsten Kapitel berücksichtigen werden.)

Jede Sprache hat ihren eigenen Bestand von Phonen und Phonemen. Auch die Zuordnung der Allophone zu Phonemen ist sprachspezifisch. Was also zwei Allophone eines einzigen Phonems in einer Sprache sind, können zwei kontrastierende Phoneme in einer anderen Sprache sein. Das Englische hat z.B. zwei komplementär distribuierte L-Allophone, die zu einem gemeinsamen Phonem gehören: [l] (wie in lab) und [ɫ] (wie in ball oder milk) gehören zu /l/. [ɫ] ist ein dunklerer Laut aufgrund seiner Velarisierung, einer sekundären Artikulation am Velum. Die Verteilung der Laute ist im Englischen vorhersagbar: Der Kontext von [ɫ] ist wortfinal bzw. vor einem Konsonanten, sonst kommt [l] vor; (siehe aber Kapitel 7). Im Gegensatz dazu steht das Marschalesische (Hall 2000), eine austronesische Sprache, das ebenfalls über [l] und [ɫ] verfügt. In dieser Sprache kontrastieren die zwei Laute, wie in [laɫ] ('Erde') und [ɫ] ('klopfen'). Im Marschalesischen gibt es also zwei L-Phoneme, /l/ und /ɫ/, die jeweils ein Allophon haben.

 

oben

Phonologische Regeln mp3

Oben haben wir die kontextbedingte Verteilung von [ç] und [x] besprochen. Wir können das Verhältnis zwischen diesen Phonen und ihrem Phonem /ç/ mit einer Regel erfassen. Eine phonologische Regel beschreibt die Ableitung einer Oberflächenform aus einer zugrundeliegenden Form, wie z.B. die Ableitung von [x] aus /ç/. Solche Regeln werden mit folgendem Muster ausgedrückt: A → B / X __ Y. Dieses Muster besagt, dass Eingabe A als Ausgabe B in der Umgebung nach X bzw. vor Y realisiert wird. Der Pfeil bildet also die Ableitung ab, der Schrägstrich grenzt die Angaben des Kontexts ab, und der Unterstrich dient als Platzhalter für das Element, das der Regel unterliegt.

Die phonologische Regel, die die Ableitung von [x] aus /ç/ beschreibt, könnte dann wie folgt aussehen.

(2.3.1) /ç/ → [x] / Hinterzungenvokal __
  /ç/ → [x] / [u: ʊ o: ɔ a: a] __

Dies sind nur zwei mögliche Darstellungen der Regel, die den gleichen Inhalt verkörpern. Lass dich nicht verwirren, dass es mehrere Ausdrücksmöglichkeiten gibt! Die bevorzugte Darstellung wäre diejenige, die den Inhalt am schlichtesten darstellt oder am besten erläutert. (Die Regel für [x] aus /ç/ werden wir im Laufe der Kapitel immer wieder verbessern.) Eine triviale Regel für [ç] sieht übrigens im Anschluss an 2.3.1 wie folgt aus.

  /ç/ → [ç] / sonst

Die Verwendung phonologischer Regeln und die Unterscheidung zwischen oberflächlicher (phonetischer) und zugrundeliegender (phonologischer) Repräsentationsebene enthalten einen großen theoretischen Vorteil, nämlich, dass man dann nur idiosynkratische Information in seinem mentalen Lexikon speichern muss. Ableitbare bzw. vorhersagbare Information wird dagegen durch Regeln erzeugt, um Speicherbelastung zu minimieren. Regeln können aufeinander angewandt werden, solange die Ausgabe der vorgeordneten Regel den Bedingungen der nachgeordneten Regel entspricht. Dabei spielt die Regelordnung, die Reihenfolge der Anwendung der Regeln, oft eine Rolle. Durch Regeln wird also aus einer zugrundeliegenden, phonologischen Form eine phonetische Oberflächenform abgeleitet.

 

oben

Allomorphe mp3

Das Morphem, das kleinste bedeutungstragende Element, gehört eher in den Bereich der Morphologie als den der Phonologie. Morphologische Information ist aber auch in der Phonologie oft unerlässlich. Man unterscheidet Morpheme, Morphe und Allomorphe im parallelen Verhältnis zu Phonemen, Phonen und Allophonen. In diesem Abschnitt geht es um zwei typische Beispiele von Allomorphie zur Erklärung der Prinzipien von phonologischen Regeln und Regelordnung. Diese sind die deutsche Auslautverhärtung und die englische Pluralbildung.

Die deutsche Auslautverhärtung besagt, dass Obstruenten am Wortende stimmlos ausgesprochen werden. Lass uns folgende Daten betrachten.

  Stimmlos am Wortende Stimmhaft im Wortinneren
  Tag [ta:k] Tages (Tag+es) [ta:gəs]
  Haus [haos] Hauses (Haus+es) [haozəs]

Hier bedarf einiges wohl der Erklärung. Die Wörter in der ersten Spalte bestehen aus einem Morphem. Die Wörter in der zweiten Spalte bestehen aus zwei Morphemen, jeweils aus einem Stamm und einem Genitivsuffix. Jeder Stamm endet in diesen Beispielen mit einem Obstruenten. Obstruenten bilden eine Lautklasse, die Plosive, Frikative und Affrikaten einschließt.

Die Transkriptionen in der ersten Spalte zeigen, dass die Obstruenten am Wortende, d.h. im Auslaut, stimmlos sind. In der zweiten Spalte sind dieselben Obstruenten im Wortinneren dagegen stimmhaft. Es geht um Allomorphe, verschiedene Realisierungen eines zugrundeliegenden Morphems. Wie bei Allophonen wollen wir die zugrundeliegende Form feststellen und womöglich die Verteilung mit einer Regel erfassen. Im Fall der Auslautverhärtung ist das Morph mit stimmhaftem Obstruenten im Auslaut die gesuchte Form. Die zugrundeliegenden Formen sind hier also /ta:g/ und /haoz/, wie sie in der zweiten Spalte erscheinen. Wenn diese Morpheme am Wortende auftauchen, wie in der ersten Spalte, werden die auslautenden Obstruenten entstimmt. Der Begriff der Auslautverhärtung bezieht sich also auf den härteren Klang des entstimmten Auslautobstruenten.

(2.4.1) Auslautverhärtung: /b d g v z ʒ/ → [p t k f s ʃ] / __ #

Die Raute (#) steht hier für eine Wortgrenze. Da der Unterstrich vor der Raute kommt, wird der Kontext als Wortende beschrieben. (Die Auslautverhärtungsregel werden wir im Laufe der Kapitel immer wieder verbessern.)

Aber wodurch wissen wir, dass die stimmhaften Formen eigentlich zugrundeliegend sind? Könnte es stattdessen sein, dass die Formen mit stimmlosen Obstruenten im Auslaut zugrundeliegend sind und beispielsweise intervokalisch oder im Wortinneren stimmhaft ausgesprochen werden? Nehmen wir weitere Daten zum Vergleich.

  Stimmlos am Wortende Stimmlos im Wortinneren
  Blick [blɪk] Blickes (Blick+es) [blɪkəs]
  Pass [pas] Passes (Pass+es) [pasəs]

Wenn die letztere Theorie der Fall wäre, hätten wir in der zweiten Spalte *[blɪgəs] und *[pazəs], was nicht stimmt. Von daher muss die Auslautverhärtung in 2.4.1 ja stimmen! Das Sternchen (*) wird übrigens in der Linguistik verwendet, um falsche Formen zu kennzeichnen.

Die reguläre Pluralbildung des Englischen ist ein etwas komplizierteres Beispiel der Allomorphie, bei dem zugleich die Regelordnung eine Rolle spielt. Schauen wir gleich folgende Daten an.

  Singular Plural
  cat [kæt] cats [kæts]
  dog [dɔg] dogs [dɔgz]
  face [feɪs] faces [feɪsɪz]

Das Pluralmorphem hat drei Allomorphe, nämlich [s], [z] und [ɪz]. Mit mehr Beispielen könnten wir bestätigen, dass die Allomorphe folgendermaßen verteilt sind: [ɪz] kommt nach Sibilanten, sonst kommt [s] nach stimmlosen Lauten und [z] nach stimmhaften Lauten. Sibilanten sind Zischlaute, also die Frikative [s z ʃ ʒ] im Englischen und Deutschen. Die zugrundeliegende Pluralform ist eigentlich umstritten, aber wir können /z/ annehmen und mit folgenden zwei Regeln die anderen Formen ableiten.

(2.4.2) Epenthese: → [ɪ] / Sibilant __ z
  Assimilation: /z/ → [s] / stimmloser Konsonant __ #

Das Nullzeichen () kann entweder als die Eingabe oder als die Ausgabe einer phonologischen Regel gelten. Als der Input beschreibt es eine Einfügung an der Stelle des Unterstrichs; als der Output beschreibt es eine Tilgung. Die Epenthese (Einfügung) und die Assimilation (Angleichung) in 2.4.2 sind phonologische Prozesse, die wir in Kapitel 4 genauer betrachten. Nach Konvention werden solche Namen als Etiketten in Ableitungen bzw. Derivationen wie folgt verwendet.

(2.4.3)   /kæt+z/ /dɔg+z/ /feɪs+z/
  Epenthese ---- ---- feɪsɪz
  Assimilation kæts ---- ----
    [kæts] [dɔgz] [feɪsɪz]

2.4.3 stellt also drei Ableitungen spaltenweise dar. In der ersten Zeile stehen die drei zugrundeliegenden Formen. Die Ableitungen erfolgen jeweils in zwei Schritten. Zuerst wird die Epenthese aus 2.4.2 angewandt wie in der zweiten Zeile. Danach wird die Assimilation aus 2.4.2 angewandt wie in der dritten Zeile. Die vierte Zeile zeigt die Oberflächenformen, die daraus entstehen. Falls die Bedingungen für eine Regel nicht erfüllt werden, wenn sie anzuwenden wäre, kann sie nicht operieren. Im Fall von dogs wirkt z.B. keine Regel. (Guck dir 2.4.2 und 2.4.3 an, bis du überzeugt bist, dass die Ableitungen stimmen!)

Bei der Pluralbildung ist wie oben erwähnt die Regelordnung wichtig. Um dies zu beweisen, können wir die Reihenfolge der Regeln wie in 2.4.4 tauschen. Im Fall von faces sehen wir gleich, dass diese Reihenfolge nicht stimmt.

(2.4.4)   /kæt+z/ /dɔg+z/ /feɪs+z/
  Assimilation kæts ---- feɪss
  Epenthese ---- ---- ----
    [kæts] [dɔgz] *[feɪsɪs]

In vielen Fällen kann man durch eine Umformulierung der Regeln eine explizite Ordnung der Regeln überflüssig machen. Trotzdem redet man von geordneten Regeln, die nacheinander angewandt werden müssen, und simultanen Regeln, die gleichzeitig angewandt werden können. Die häufigsten Regelordnungstypen zwischen zwei Regeln sind das Feeding-Verhältnis, bei dem die erste Regel die Bedingungen der zweiten Regel schafft, und das Bleeding-Verhältnis, bei dem die erste Regel die Anwendung der zweiten Regel blockiert bzw. verhindert. Die in 2.4.3 dargestellte englische Pluralbildung fordert also geordnete Regeln in einem Bleeding-Verhältnis.

Die obigen Beispiele der deutschen Auslautverhärtung und der englischen Pluralbilding sind auch Beispiele von produktiven Regeln. Die Produktivität einer Regel gibt an, wie aktiv sie von Sprechern verwendet wird. Dass die Pluralbilding im regulären Fall aktiv ist, können wir z.B. dadurch bestätigen, dass erfundene Wörter nach diesem Muster flektiert und ausgesprochen werden. Irreguläre Pluralformen, wie etwa en. feet, deuten dagegen auf veraltete, unproduktive Regeln.

 

oben

Phonotaktik mp3

Die Phonotaktik beschäftigt sich mit den kombinatorischen Beschränkungen von Lauten in einer Sprache. Beispielsweise werden systematische Lücken beschrieben. Deutsche Laute, die solchen unzulässigen Lautfolgen unterliegen, sind z.B. [h], das nicht wortfinal erscheint, und [ŋ], das demgegenüber nicht wortinitial vorkommt. Diese Tatsachen können wir mit folgenden phonotaktischen Bedingungen ausdrücken.

  * h #
  * # ŋ

Im Gegensatz zu systematischen Lücken stehen zufällige Lücken. Im Englischen stellt das Wort lbog eine systematische Lücke dar, weil es phonotaktisch unzulässig ist. Das Wort blog stellte dagegen bis vor kurzem eine zufällige Lücke dar: Es war ein zulässiges aber unbelegtes Wort (bis man web log fürs Internet abkürzte). Aber welche Bedingung verbietet lbog als Wort? Diese erfahren wir erst in Kapitel 7, da die Domäne vieler phonotaktischen Bedingungen eigentlich die Silbe ist!

 

Literatur:
Hall, T. A. 2000. Phonologie: Eine Einführung. Berlin: de Gruyter.
O'Grady, William 1997. Contemporary Linguistics: An Introduction. London: Longman.